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Bericht zur Veranstaltung zur naturnahen Waldbewirtschaftung am 09. April 2018

Am 09. April fand in Erfurt ein spannender Diskussions- und Vortragsabend zum Thema „Naturnahe Waldbewirtschaftung in der kommunalen Praxis“ statt. Nach einführenden Worte des grünen Landtagsabgeordneten Roberto Kobelt zur aktuellen Situation im Land stellte Elmar Seizinger vom FSC Deutschland e.V. die in Deutschland geltenden einheitlichen Standards der FSC-Zertifizierung vor. Diese Standards umfassen die gesamte Produktionskette om Forst und beinhalten beispielsweise Qualifikationsanforderungen für das Forstpersonal, ein generelles Pestizidverbot, größere Rückengassenabstände, Bürgerbeteiligungsverfahren, Kahlschlagsverbot usw..

Anschließend stellte Lutz Fähser, Forstdirektor i.R. aus Lübeck das sog. Lübecker Modell der Waldbewirtschaftung vor, welches Mitte der 90er Jahre entwickelt wurde. Dieses Modell basiert vor allem auf der Idee, der natürlichen Entwicklung des Waldes Vorrang zu geben und mit einer gewissen Genügsamkeit sowie möglichst wenigen Störungen mit dem Wald fortwirtschaftlich umzugehen. So werden in Lübeck 10 Prozent der Waldfläche gar nicht genutzt, um anhand der dortigen Biotop-Entwicklung etwas über die natürliche Entwicklung des Waldes zu lernen. Außerdem werden nichteinheimische Baumarten reduziert und dafür die einheimischen Baumarten gefördert, es werden weniger Pflegeeingriffe vorgenommen und Bäume dürfen länger stehen. Das hat einerseits eine deutliche Kostenreduzierung in der Bewirtschaftung zur Folge und andererseits entstehen hochwertigere Bäume, die einen höheren Ertrag erzielen. Im Ergebnis dieser Waldbewirtschaftung zeigte sich,  dass es nicht nur einen deutlichen Tierzuwachs gab und der Anteil heimischer Baumarten anstieg. Auch der Baumvorrat verdoppelte sich fast. Ganz besonders ist darauf hinzuweisen, dass auch der Ertrag je Hektar pro Jahr deutlich anstieg. Damit zeigt sich, dass ökologische Waldbewirtschaftung und gute fortwirtschaftliche Nutzung sich keineswegs ausschließen – im Gegenteil.

Dr. Siegfried Klaus von der LAG Waldnaturschutz des NABU Thüringen e.V. stellte anschließend in einem sehr interessanten und bilderreichen Vortrag die Zusammenhänge zwischen der Artenvielfalt und einer ökologischen Waldbewirtschaftung vor.

Abschließend stellte Olaf Schubert von der Stadtforstverwaltung Jena, das Jenaer Konzept des Stadtforstes vor. Dieses orientiert sich insbesondere an einer bäuerlichen Nutzungsweise, kombiniert mit Walderlebnispfaden und waldpädagogischen Angeboten. Mit Rückegassenabständen von 40 Metern und dem Einsatz von Pferden beim Rücken der gefällten Bäume versucht die Stadt Jena schonen den Wald zu bewirtschaften. Außerdem wird analog dem Lübecker Modell die natürliche Dynamik des Waldes gefördert und werden nur wenige Eingriffe in den Wald vorgenommen. Auch hier werden 10 Prozent der Fläche fortwirtschaftlich nicht genutzt.

Die Vorträge der Referenten werden hier in Kürze veröffentlicht. Ihr könnt bei Facebook die Vorträge euch anschauen.

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